RaicoSil Straw - Hintergrundwissen

Die Bedeutung von Stroh hat sich in den vergangenen Jahren stark gewandelt. War es ursprünglich ein Abfallprodukt, ist es heute zu einem wichtigen Betriebsmittel geworden. Neben seinem Einsatz als Futtermittel, findet es überwiegend als Einstreu und Beschäftigungsmaterial Anwendung.

Nach wie vor geht man davon aus, dass sonniges trockenes Wetter bei der Ernte und goldgelbe Farbe für eine gute Qualität stehen. Im praktischen Einsatz ist den Wenigsten bewusst, wie es wirklich um die Strohqualität steht. Untersucht wird es in den seltensten Fällen. Fakt ist jedoch: Stroh zeigt nicht nur erhebliche Qualitätsmängel, auch der Gehalt bestimmter Mykotoxine ist mitunter zu hoch.


Kennzeichnung der mikrobiologisch – hygienische Beschaffenheit von Stroh

Schwärzepilze auf Stroh
Mikroorganismen sind in der Natur weit verbreitet, so auch auf Stroh. Je nach Witterung, Erntebedingungen und Lagerung zeigt Stroh immer einen mehr oder weniger starken Besatz an Bakterien, Schimmelpilzen und Hefen auf. Da sich einzelne Mikroorganismen hinsichtlich ihrer Wachstumsansprüche sehr ähneln, werden sie zur hygienischen Beurteilung von Futtermitteln in Keimgruppen (KG) zusammengefasst. Hinsichtlich der einzelnen Arten wird zwischen produkttypischer und verderbanzeigender Flora unterschieden.


Tabelle 1 © LUFA NRW


Produkttypische Flora

Zur produkttypischen Mikroflora zählen die Mikroorganismen, die zum Zeitpunkt der Ernte auf den Pflanzen zu finden sind. Diese Keimgruppen werden auch unter dem Sammelbegriff der Feldflora oder Primärflora zusammengefasst. Dazu gehören beispielsweise bei den Schimmelpilzen die Gattungen Alternaria, Fusarium, Verticillium und Cladosporium. Einige von ihnen, wie Fusarium, sind auch als potenzielle Toxinbildner bekannt.

Im Verlauf der Ernte, der Verarbeitung oder auch der Lagerung kann eine Kontamination mit weiteren Keimarten stattfinden, die ebenfalls als typisch angesehen werden, der sogenannten Sekundärflora. Beide Gruppen, die Primär- und die Sekundärflora werden als produkttypische Mikroflora bezeichnet.


Verderbanzeigende Flora

Während der Lagerung findet immer eine Umschichtung zwischen den einzelnen Mikrobenarten statt. Arten, die besser an die Bedingungen bei der Lagerung angepasst sind, setzen sich mehr und mehr durch. In der Folge sinkt die Keimdichte der ursprünglich vom Feld kommenden Keime (Feldflora) ab. Es vermehren sich jetzt die Keime, die besser angepasst sind. Sie werden deshalb auch Lagerflora oder auch verderbanzeigende Keimflora genannt, da sich unter ihnen viele Mikroorganismen befinden, die auf einen mikrobiellen Verderb hinweisen.

Typisch für die Feldpilzflora bei Stroh sind die Schimmelpilzgattungen Alternaria und Fusarium. Bei den Lagerpilzen sind es Aspergillus, Penicillium und Mucorales. Viele dieser Arten sind als potenzielle Mykotoxinbilder bekannt. Aber auch Hefen und bestimmte Bakterien können auf einen Verderb hinweisen.

Anhand des von der VDLUFA erarbeiteten Orientierungsschemas für die Mikrobiologie von Futtermitteln kann der Hygienestatus und der Gebrauchswert beurteilt werden. Die in der Tabelle 2 zusammengestellten Keimzahlen für die einzelnen Keimgruppen geben klare Hinweise, wie es um die Qualität des Strohs bestellt ist. So zeigen hohe Keimzahlen an Schimmelpilzen immer Qualitätsmängel an. Es kommt zur Zersetzung, Nährstoffverlust und Anreicherung von schädlichen Stoffwechselprodukten, den Mykotoxinen. Auch die Staubbelastung durch Pilzsporen nimmt zu, was zu Reizungen und allergischen Reaktionen der Atemwege führt.

(Grafik in .ppt. Datei) Tabelle 2 © LUFA NRW


Um das Ausmaß der Qualitätsminderung zu beschreiben, wurden vier Qualitätsstufen (Tabelle 3) festgelegt. Dabei entscheidet die jeweils schlechteste Bewertung innerhalb der Keimgruppen über die Wahl der Qualitätsstufe.

Tabelle 3 © LUFA NRW


Da die mikrobiologische Beschaffenheit von Stroh ausschlaggebend für eine spätere Verwendung ist, ist der Keimgehalt an Bakterien, Schimmelpilzen und Hefen immer so gering wie möglich zu halten.


Merkblatt zur mikrobiologisch-hygienischen Beschaffenheit von Futtermitteln von der LUFA NRW


Der Gebrauchswert von Stroh wird vor allem von folgenden Qualitätsmerkmalen bestimmt:

Trockensubstanzgehalt> 86 % TS
Farbe, Gerucharteigen, goldgelb
ohne braune, graue oder schwarze Stellen, nicht muffig oder stechend, kein Fehlgeruch
Nährstoffgehalt,
Verdaulichkeit
In Abhängigkeit von Strohart und Blattanteil
6,0 - 6,6 MJ ME bzw. 3,2 - 3,7 MJ NEL/kg TM
PilzbefallKeimgruppe 4 (Feldpilze) max. 200.000 kbE/g
Keimgruppe 5 (Lagerpilze) max. 100.000 kbE/g
Sichtbare Verpilzung nicht zulässig
Verschmutzungen,
Verunreinigungen
frei von Erdanhaftungen und Steinen, nicht staubig
kein Fremdbesatz mit Unkräutern
RA < 10 % / kg TS

Grau-schwarze oder bräunliche Verfärbungen sind immer ein klarer Hinweis auf mikrobiellen Verderb. Um den Staubbesatz zu prüfen, einfach Stroh gegen das Licht werfen. Gutes Stroh ist weitestgehend staubfrei.

Voraussetzung für qualitativ hochwertiges Stroh ist, dass Ernte und Einlagerung unmittelbar nach dem Mähdrusch erfolgen. Einfluss auf die Qualität haben dabei:

  • die Witterungsbedingungen während der Feldliegezeit
  • die Dauer der Feldliegezeit
  • die Restfeuchte im Stroh zum Zeitpunkt der Ernte bzw. Einlagerung
  • die Art und Weise der Strohlagerung nach der Ernte

Qualitätsminderungen können bereits im Bestand vor der Getreideernte durch Krankheiten oder Lagerbildung eintreten. Aus diesem Grund immer vor dem Mähdrusch das anfallende Stroh hinsichtlich der Verwendungsmöglichkeiten bewerten. Auch zu lange Feldliegezeiten sind nachteilig. Sie vermindern nicht nur den Futterwert und die Schmackhaftigkeit, sondern auch der Hygienestatus wird stetig schlechter. Oft sind diese Veränderungen bereits auf dem Feld, vor der Bergung sichtbar. Typische Anzeichen sind Farbveränderungen, Geruchsabweichungen oder sichtbare Verschimmelung. Unter ungünstigen Witterungsbedingungen treten diese Veränderungen bereits nach wenigen Tagen auf.

Außerdem muss Stroh, welches länger auf dem Feld liegt, mindestens ein Mal gewendet werden. Sonst besteht das Risiko zu hoher Restfeuchten und kleiner Feuchtenester. Bearbeitung bedeutet aber auch Schmutzeintrag und Bröckelverluste. Besonders die leichter verdaulichen Blätter gehen verloren, was einen weiteren Rückgang des Futterwertes zur Folge hat. Da es sich bei Stroh um abgestorbenes Pflanzenmaterial handelt, gehen auch im Stroh selber verschiedene Abbauprozesse von statten. Mikroorganismen vermehren sich unkontrolliert und das Toxinrisiko steigt. In der Folge sinkt sein Gebrauchswert, und es kommt zu erheblichen Einschränkungen bei der späteren Verwendung.

Wie stark all diese unerwünschten Prozesse zum Tragen kommen, hängt wesentlich vom Wetter ab. In der Summe kann bei längerer Feldliegezeit von Energieverlusten zwischen 5 bis 20 % und einem Rückgang der Verdaulichkeit von 10 bis 20 % ausgegangen werden. Gutes Wetter ist also unverzichtbar während der Strohernte. Restfeuchten von unter 12 bis 14 % sind anzustreben. Das wird immer schwieriger. Auch ist inzwischen hinlänglich bekannt, das goldgelbe Farbe und sonniges Wetter kein Garant für gute Strohqualität sind. Deshalb sollte auch bei Stroh über den Einsatz geeigneter Konservierungsverfahren bzw. Konservierungsmittel nachgedacht werden.


RaicoSil Straw sichert Qualität

RaicoSil Straw ist das erste Konservierungsmittel für Stroh und enthält eine einzigartige Kombination von Salzen ausgewählter Konservierungssäuren. Aufgrund seiner speziellen Produktformulierung ist RaicoSil Straw weder ätzend noch korrosiv und wird als Neutralsalz eingestuft. Die Verwendung von säurefester Dosiertechnik ist somit nicht erforderlich. Die Dosierung selbst erfolgt während des Pressvorganges, in der Pickup der Presse.

Untersuchungen in Gersten- und Weizenstroh zeigen, dass derart behandeltes Stroh einen deutlich besseren Hygienestatus hat. So konnte zum Beispiel die Keimdichte der Schimmelpilze deutlich reduziert werden. Auch die gefundenen DON-Werte waren niedriger. Insgesamt zeigte mit RaicoSil Straw behandeltes Stroh eine bessere Qualität und konnte ohne Einschränkungen eingesetzt werden. Ein weiterer Vorteil von RaicoSil Straw ist: Es kann bereits ab 20 Prozent Feuchte eingefahren werden. Schwankungen in der Restfeuchte sind nie auszuschließen, zum Beispiel durch Zwiewuchs oder Tauwasser. Diese sind aber mit Hilfe von RaicoSil Straw besser kontrollierbar.


Strohlagerung

Um auch nach der Strohbergung die Qualität weiter halten zu können, ist eine Lagerung unter einem Dach zu empfehlen. Da Lagerraum jedoch oft knapp ist, und ein großer Teil des Strohs nach wie vor im Freien gelagert wird, sind folgende Punkte zu beachten:

Ballen immer mit einem Schutzvlies abdecken und dieses fest spannen. Quelle: Tencate


weitere Informationen zum Schutzvlies


Längsachse in Wetterrichtung. Quelle: Tencate



Gleichmäßige Ausformung des Stapels mit spitzem bis abgerundeten First, Neigung > 45° Quelle: Tencate



Niederschlagswasser muss abperlen können. Quelle: Tencate



Glatte und dichte Oberfläche ohne Vertiefungen (rechts im Bild). Quelle: Tencate



Lagerung der Ballen auf Palette. Quelle: Tencate



Ausreichend Abstand zu Hecken und Bäumen. Quelle: Tencate


Stroh, das nicht trocken und geschützt liegt, wird schnell grau und verschimmelt. Lagert das Stroh im Freien, ist es so zu lagern, dass es bestmöglich vor ungünstiger Witterung geschützt wird. Dazu ist der Kontakt zwischen Ballen und Erdboden zu vermeiden. Sonst besteht das Risiko, dass die Bodenfeuchtigkeit in die Ballen aufzieht. Auch das Lager ist richtig aufzubauen; schlecht geformte und zu flach gesetzte Lager begünstigen eine starke Einregnung. In Einbuchtungen sammelt sich Niederschlagswasser und die Randschichten verschimmeln. In der Folge entsprechen dann nur noch etwa 50 bis 60 % des Strohs den Qualitätsanforderungen. Idealerweise sollte im Freien gelagertes Futterstroh bereits im Herbst genutzt werden. Für die Winter- und Frühjahresfütterung ist das unter einem Dach gelagerte Stroh zu reservieren.

Vorsicht unmittelbar nach dem Pressen

Wird Stroh nicht richtig gelagert, verschimmelt es schnell.
Untersuchungen von Stroh zeigten, dass auch im Stroh unmittelbar zu Beginn der Lagerung mit einer erhöhten mikrobiellen Aktivität zu rechnen ist. Deutlich erkennbar in einem Anstieg der Temperatur in den Ballen. Daraus lässt sich ableiten, dass unmittelbar nach dem Pressen im Stroh ähnliche Prozesse ablaufen, wie wir sie vom Heu oder auch Getreide kennen. Demzufolge ist auch im Stroh die Temperaturentwicklung zu Beginn der Lagerung regelmäßig zu kontrollieren und es vor seinem Einsatz bis zu vier Wochen zu lagern.


Temperaturverlauf im Gerstenstroh

Keimdichte auf Gerstenstroh


Risiko Tiergesundheit

Unabhängig vom Einsatzbereich sind die Anforderungen gleich hoch. Im besonderen Fokus liegt dabei der Hygienestatus, also die Belastung mit Keimen und Mykotoxinen. Auch wenn Stroh als Einstreu oder Beschäftigungsmaterial verwendet wird, muss davon ausgegangen werden, dass ein bestimmter Teil auch gefressen wird. Bei Schweinen kann die Belastung mit Schimmelpilzen und ihren Stoffwechselprodukten problematisch werden. Auch bei Geflügel sollte immer darauf geachtet werden, dass das Stroh nicht mit Pilzen, Sporen oder Staub verunreinigt ist. Das Gleiche gilt für Pferde. Allergischen Reaktionen und Atemwegserkrankungen sind dann nicht auszuschließen. Gute Erntebedingungen und goldene Färbung sind kein Garant für Qualitätsstroh. Deshalb sollte auch bei Stroh der Einsatz von Konservierungsmitteln zur Sicherung der Qualität in Betracht gezogen werden.


Stroh als Risikofaktor für die Tiergesundheit



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