Warum fürchten Molkereien Clostridien?

Bereits wenige Clostridiensporen reichen aus, um in den verschiedenen Milch- und Käseprodukten erhebliche Qualitätsschäden zu verursachen. Bei angreifenden Schnitt- und Hartkäsesorten kann das Problem der Spätblähung auftreten.
Die hygienische Beschaffenheit des Grundfutters, insbesondere der Silagen beeinflusst maßgeblich den mikrobiologischen Status der Rohmilch. Werden buttersäurehaltige oder nacherwärmte und verschimmelte Silagen verfüttert, verschlechtert sich dieser. Besonders von Molkereien gefürchtet: Clostridien und ihre Endosporen. Im Stall werden sie überwiegend durch Spritz- und Schmierinfektionen aus dem Kot in die Rohmilch übertragen.

Clostridien sind anaerobe Bakterien. Unter ungünstigen Lebensbedingungen bilden sie Sporen (Dauerform). Diese Sporen sind sehr widerstandsfähig und überdauern unbeschadet den Verdauungstrakt der Tiere. Sie sind auch ausgesprochen thermostabil und können mittels der üblichen Erhitzungsverfahren in der Rohmilch nicht abgetötet werden. Bereits wenige Sporen reichen aus, um in den verschiedenen Milch- und Käseprodukten erhebliche Qualitätsschäden zu verursachen. So sind z. B. die Arten Cl. butyricum und Cl. tyrobutyricum in der Käsereiherstellung als Schadkeime unerwünscht. Über die Bildung von Gärgasen und unerwünschten Geschmacksstoffen führen sie zum Verderb der Milchprodukte. Bei !angreifenden Schnitt- und Hartkäsesorten kann das Problem der Spätblähung auftreten. Dabei entstehen durch den Abbau von Nährstoffen im Käse Gaseinschlüsse, die die Käselaibe aufblähen und zur Rissbildung führen. Die betroffenen Käselaibe werden unverkäuflich. Bereits 200 Sporen je Liter Rohmilch führen zu Prozessstörungen und verändern den Käse sensorisch und optisch. 50 Sporen je Liter Milch bedeuten das Aus für die Produktion von Emmentaler Käse. Aus diesem Grund gilt z. B. seit Jahren ein generelles Fütterungsverbot von Silage in den Betrieben, von denen die erzeugte Rohmilch ohne Pasteurisation weiter zu Käse verarbeitet wird (z. B. Allgäu­er Emmentaler oder Bergkäse).


Wie verhindert man Clostridien in der Milch?

Der natürliche Lebensraum der Clostridien ist der Boden. Sowohl die Bakterien als auch die Sporen sind hier reichlich vorhanden. Über verschmutztes Futter gelangen sie in die Silage. Neben Erde stellt auch die Gülle eine wichtige Kontaminationsquelle dar. Sind jetzt die Lebensbedingungen in der Silage für sie günstig, vermehren sie sich stark und in der Folge findet die unerwünschte Buttersäuregärung statt. Das Auftreten von Buttersäure ist demzufolge immer ein sicherer Hinweis für das Risiko „Clostridien in der Milch".

Beschränkte sich die Betrachtung der Clostridienproblematik in der Vergangenheit aus Clostridien in der Milch schließlich auf Grassilagen, wissen wir heute sicher, dass auch Maissilagen als Kontaminationsquelle in Frage kommen. Besonders in nacherwärmten oder in verschimmelten Berei­chen (z. B. an Rand und Oberfläche) wurden Clostridiensporen gefunden. Man geht davon aus, dass im Falle einer Nacherwärmung in der Maissilage Nischen entstehen, die für die Clostridien einen günstigen Lebensraum darstellen.

Somit ist eine wesentliche Grundvoraussetzung für die Vermeidung von Clostridien in der Rohmilch die Erzeugung qualitativ einwandfreier Silage. Das gilt für die Gras- als auch für die Maissilage gleichermaßen. Verdorbene Silage ist immer großzügig auszusortieren, mit dem Ziel, dass Clostridien gar nicht erst zum Problem werden. Der Erfolg aller Hygienemaßnahmen im Stall und auch beim Melken hängt direkt bzw. indirekt mit davon ab. Praxiserhebungen zeigen immer wieder, dass noch erheblicher Verbesserungsbedarf besteht. Sowohl Siliertechnik als auch Gärqualität weisen Mängel auf. Trotz ausreichend hoher TS-Gehalte wird Buttersäure gefunden. Viele Silagen haben Probleme mit Nacherwärmung/Verschimmelung. Der gezielte Einsatz von Siliermitteln gewinnt demzufolge zunehmende Beachtung. Nur so kann die Grundlage geschaffen werden, die Infektionskette Feld - Silage - Tier - Kot - Rohmilch zu durchbrechen.


Was muss im Stall und beim Melken beachtet werden?

Die Kontamination der Milch erfolgt hauptsächlich durch den Kot der Tiere. Gelangen Clostridien mit der Silage in den Stall, werden sie um das 10-fache angereichert im Kot wieder ausgeschieden. Über Verschmutzungen am Euter und über die Stallluft gelangen sie dann anschließend in die Milch. Bereits kleinste Kotpartikel reichen aus. So kann 1 Gramm Kot bis zu 200.000 Clostridien enthalten und verunreinigt 4000 Liter Milch, die dann nicht mehr zu Rohmilchkäse verarbeitet werden kann. Außerdem verändert sich die Kotkonsistenz, wenn minderwertige Silagen verfüttert werden. Er wird dünnflüssiger und Kotpartikel spritzen auf den harten Laufflächen sehr leicht an das Euter hoch. Die Laufflächen deshalb immer abschieben. Das gleiche gilt auch für die Liegeboxen. Auch diese müssen sauber und trocken sein. Kotreste verunreinigen Euter und Zitzen und feuchtes Klima fördert das Wachstum von Keimen. Das gilt auch für Clostridien. Sind Euter und Zitzen stärker verunreinigt, steigt das Risiko des Sporeneintrages in die Milch. Die regelmäßige Kontrolle bzw. Säuberung der Liegebox ist demzufolge eine wichtige Hygienemaßnahme. Aber auch bei bester Melkhygiene bleibt das Risiko eines Sporeneintrages bestehen. Sicht­bare Verschmutzungen können einfach und schnell durch gezielte Reinigungsmaßnahmen entfernt werden. Schwieriger sind nicht sofort erkennbare Verschmutzungen, wie z. B. kleinste Staubpartikel, die auf der Zitzenhaut und in deren Hautfalten anhaften. Wird hier nicht ausreichend gesäubert und desinfiziert, gelan­gen darin befindliche Keime beim Melken mit in die Milch. Deshalb ist die sorgfältige Vorreinigung der Euter und Zitzen so wichtig. Besonders gut geeignet zum Vordippen der Zit­zen ist ein Desinfektionsprodukt auf Schaumbasis. Voraussetzung für ein gutes Predippmittel ist, dass der Schaum den anhaftenden Schmutz schnell löst und eine schnelle Desinfektionsleistung aufweisen kann. Denn bis zum Ansetzen der Melkzeuge ist nicht viel Zeit.

Bereits wenige Clostridiensporen reichen aus, um in den verschiedenen Milch- und Käseprodukten erhebliche Qualitätsschäden zu verursachen. Bei angreifenden Schnitt- und Hartkäsesorten kann das Problem der Spätblähung auftreten.

Melkhygiene einhalten

Eine weitere wichtige Maßnahme ist die regelmäßige und vor allem gründliche Reinigung des Melkstandes und der Melkzeuge. Biofilme dürfen keine Chance haben, hier zu wachsen. Auch während des Melkens sind Kotreste an den Gerätschaften zu entfernen. Verunreinigungen jeglicher Art gilt es zu vermeiden. Der Einsatz von nicht ausreichend wirksamen Desinfektionsmitteln, mangelnde Personalhygiene (schmutzige Hände, keine Melkhandschuhe) oder verunreinigte Reinigungsmaterialien bzw. -lösungen - alles das sind immer wiederkehrende Fehlerquellen für einen Clostridieneintrag in die Milch.

Und zum Schluss: Stall gut lüften. Auch die Stallluft kann Überträger von Clostridiensporen in die Milch sein, und zwar dann, wenn diese beim Melken mit eingesaugt wird.


Fazit

Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass bei Verfütterung hygienisch einwandfreier Silagen und guter Stall- bzw. Melkhygiene Clostridien in der Milch kein Problem darstellen. Entspricht die Silage jedoch nicht den Qualitätsanforderungen, steigen die Anforderungen an die Stall- und Melkhygiene drastisch. Auch bei Einhaltung aller Hygienestandards bleibt ein nicht zu unterschätzendes Risiko bestehen. Deshalb lohnt es sich in jedem Fall, die Silagequalität immer im Blick zu behalten.




Sind Clostridiensporen in der Silage, muss mit einer höheren Konzentration im Kot gerechnet werden. Folglich ist der Euterbereich stärker mit Keimen belastet. Damit nimmt das Risiko eines erhöhten Sporeneintrages in die Milch drastisch zu. Wer mit Grünfutterernte und Güllewirtschaft zu tun hat, begegnet den Clostridiensporen und kann etwas gegen deren Vermehrung tun.

Lesen Sie hierzu den Artikel "Clostridien zwischen Gras und Milch - Den Kreislauf knacken"

Übertragungswege von Buttersäurebakterien und Managementmaßnahmen zu deren Kontrolle


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