Silierdauer hat Einfluss auf Silagequalität und Verdaulichkeit

In Zeiten von Futterknappheit werden Maissilagen oft bereits nach wenigen Tagen geöffnet. Kurze Silierzeiten haben jedoch Konsequenzen für Qualität, aerobe Haltbarkeit und Verdaulichkeit. Silierung braucht nun mal Zeit. Das dafür nötige Zeitfenster hängt von einer Vielzahl von Faktoren ab. Zu den wichtigsten gehören Trockenmassegehalt, Häcksellänge, Einlagerungsmanagement und Siliermitteleinsatz. Im Durchschnitt sollte jede Maissilage etwa 4 bis 6 Wochen luftdicht gelagert werden, denn erst danach kommen die Gärprozesse zum Erliegen. Wird die Silage vor Ablauf dieser Frist geöffnet, wirkt sich das störend auf den weiteren Gärverlauf aus. Im Ergebnis kann es zu einer Verschlechterung der Qualität und verminderter aerober Haltbarkeit kommen. Hintergrund dafür ist u.a. die Dynamik in der Hefepopulation.

5 log kbE / g entspricht 1 Mio Hefen / g
In jeder Silage findet zu Beginn der Silierung immer ein Wachstum der Hefen statt. Wie stark sie sich vermehren, hängt mit davon ab, wie schnell aerobe Lagerungsbedingungen erreicht werden. Im weiteren Verlauf der Silierung geht ihre Keimzahl wieder zurück. Je früher eine Miete also geöffnet wird, desto höher kann der Keimdruck der Hefen sein und umso wahrscheinlicher sind Probleme mit der aeroben Haltbarkeit. Die Silage wird dann warm und verschimmelt. Verluste sind vorprogrammiert und erhebliche Qualitätseinbußen die Folge.

Für die Einhaltung der geforderten Mindestlagerungszeit spricht weiterhin, dass sich die Verdaulichkeit, insbesondere die der Stärke, mit der Lagerdauer stetig verbessert. Bei Verfütterung frischer Maissilagen werden häufig Ausscheidungen von Maiskörnern im Kot beobachtet. Mit zunehmender Lagerdauer verschwinden diese. Zu erklären ist das unter anderem mit dem Stärkeaufschluss infolge der Silierung.


Allein innerhalb der ersten 1,5 Monate Lagerung verbessert sich diese bereits um etwa 10 % und steigt im weiteren Verlauf weiter an. Hintergrund ist, dass die einzelnen Stärkekörner von speziellen Proteinen umschlossen sind und derart zusammengehalten werden. Pflanzliche und mikrobielle Enzyme bauen diese Verbindungen während der Silierung nach und nach ab. Die einzelnen Stärkekörner liegen dann frei vor und können leichter von den Pansenmikroben verstoffwechselt werden. Konsequenz dieser Veränderung in der Stärkeverdaulichkeit ist, dass im Falle einer frühen Öffnung der Miete die Stärkeverdaulichkeit regelmäßig neu bewertet werden muss. Sonst sind Probleme im Stall die Folge. Das heißt: Rationsgestaltung überwachen und ggf. neu berechnen.


Grundsätzlich und ganzjährig gilt, dass im Pansen der Milchkühe immer optimale Bedingungen herrschen sollten. Nur so kann die Pansenflora effektiv arbeiten und in großen Mengen Mikrobenprotein produzieren, welches bekanntlich die hochwertigste Proteinquelle für die Tiere zur Erzeugung von Milcheiweiß darstellt. Gezielt eingesetzte Mineralfuttermittel (Vitamiral Pansenstimulanz und Vitamiral Pansenaktiv) können hier helfen. Sie optimieren die Bedingungen im Pansen und unterstützen die Pansenflora.


Stärkekörner in Feuchtmaissilage (71 % TS) in Abhängigkeit von der Silierdauer (Hoffmann, et.al. 2011)

Zu Beginn der Silierung
Nach 240 Tagen Lagerung


Abschließend kann eingeschätzt werden, dass die Einhaltung der Mindestlagerungszeit von Silagen ein wichtiger Faktor zur Sicherung hoher Grundfutterleistungen ist. Ist Futter jedoch knapp, sollte immer eine kleinere Miete zur Überbrückung angelegt werden. Ein zu frühes Öffnen kann sich nachteilig auswirken. Die enthaltenen Nährstoffe sind nicht nur schlechter verwertbar, auch der Gärprozess wird gestört und das Risiko für die aerobe Haltbarkeit ist höher. Das kann zusätzliche Kosten verursachen. Für Mieten aus 2020, die bereits früher geöffnet wurden gilt, regelmäßige die Silage sensorisch und analytisch zu bewerten und das Silagemanagement bei der Entnahme sowie die Rationsgestaltung ggf. anzupassen.



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