Höchste Futterqualität von Maissilagen sicherstellen

In der Praxis werden viele Maissilagen zu früh geöffnet. Das stört und verzögert die Milchsäuregärung – und kann hohe Verluste verursachen.

Silierung braucht Zeit

Jede Silage braucht ihr Minimum an Zeit. Wird sie zu früh geöffnet, hat das immer Konsequenzen für die Qualität, Verdaulichkeit und aerobe Haltbarkeit. Silierung braucht nun mal Zeit. Dabei siliert Maissilage etwas schneller als Grassilage. Faktoren wie zum Beispiel Trockensubstanzgehalt, Häcksellänge, Einlagerungsmanagement und Siliermitteleinsatz sind ebenfalls von Bedeutung. Einen wichtigen Hinweis auf die Dynamik des Silierprozesses geben die Gärverluste. Diese entstehen während der Lagerung der Silage unter Luftabschluss. Ihr Verlauf zeigt deutlich, dass nach vier bis sechs Wochen die Milchsäuregärung fast fertig ist. Dann sind 80 Prozent aller Umsetzungen in der Silage abgeschlossen und der Gärprozess klingt allmählich ab (s. Abbildung 1).

Öffnen der Silage nach etwa zwei Wochen

Wird die Silage früher geöffnet, zum Beispiel bereits nach ein bis zwei Wochen, befindet sich die Milchsäuregärung entweder erst am Anfang oder direkt in ihrer Hauptgärphase. Das vorzeitige Öffnen kann sich dann störend auf den gesamten Prozess auswirken und diesen sogar verzögern. Verluste an Nährstoffen und Energie entstehen und die Qualität verschlechtert sich. Auch eine verminderte aerobe Haltbarkeit kann die Folge sein. Letzteres ist deshalb der Fall, da sich die Hefen zu Beginn der Lagerung ebenfalls vermehren. Bekanntermaßen hängt ihr Wachstum immer vom Faktor Luft ab. Wird also in dieser frühen Phase der Silierung die Maissilage geöffnet und es gelangt wieder Luft an die Silage, ist deren Keimzahl oft noch hoch und Probleme mit Nacherwärmung sind möglich.


Verdauchlichkeit der Silage

Auch die sich stetig verbessernde Verdaulichkeit während der Lagerung ist ein weiterer Punkt, der für die Einhaltung der geforderten Mindestlagerungszeit spricht. Das gilt sowohl für die Faserverdaulichkeit als auch für die Stärkeverdaulichkeit. Allein letztere erhöht sich innerhalb dieser ersten eineinhalb Monate um etwa zehn Prozent und steigt im weiteren Verlauf der Silierung weiter an (s. Abbildung 2). Hintergrund der besseren Stärkeverdaulichkeit ist, dass die einzelnen Stärkekörner von speziellen Proteinen umschlossen sind und so zusammengehalten werden. Während des Silierprozesses lösen pflanzliche und mikrobielle Enzyme diese Verklumpungen und bauen die Verbindungen nach und nach ab. Die Stärkekörner liegen dann frei vor und können leichter von den Pansenmikroben verstoffwechselt werden. Wird also zu früh geöffnet, bedeutet das immer Verluste bei der Verdaulichkeit – was gleichbedeutend mit einem Minus von ein bis zwei Liter Milch pro Kuh und Tag ist.

Verschenktes Potenzial

Bei der Verfütterung frischer Maissilage werden häufig Ausscheidungen von Maiskörnern im Kot beobachtet. Mit zunehmender Lagerdauer verschwinden diese. Das macht die Veränderungen des beschriebenen Nährstoffaufschlusses und die daraus resultierende Verbesserung der Verdaulichkeit infolge der Silierung sichtbar. Wird die Maissilage dennoch zu früh geöffnet, sollte die Ration immer regelmäßig kontrolliert und gegebenenfalls neu bewertet werden. Sonst können Probleme im Stall die Folge sein. Abschließend kann festgehalten werden, dass zu frühes Öffnen eher von Nachteil für die Maissilage und daher nicht empfehlenswert ist. Die Silierung ist dann noch nicht abgeschlossen und es besteht ein erhöhtes Risiko für die Qualitätsminderung der Maissilage. Auch hinsichtlich der Verdaulichkeit und Leistung wird viel Potenzial verschenkt.

Weitere Informationen rund um das Thema Silierung und Siliermittleinsatz gibt es bei Dr. Sabine Rahn, Produktmanagerin Silierung/Konservierung, Telefon 0251 . 682-2289, sabine.rahn@agravis.de.


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