Phasen der Silierung

Während der Silierung verändert sich die Zusammensetzung der Silage. Der Verlauf dieser Stoffumsetzungen kann in vier bzw. fünf Phasen untergliedert werden. Die Übergänge zwischen den einzelnen Phasen sind dabei fließend. Aus dem zeitlichen Ablauf der einzelnen Phasen kann die Mindestlagerzeit für Silage abgeleitet werden. Jede Miete sollte mindestens 4 – 6 Wochen geschlossen bleiben!

Phase 1 (aerobe Phase):

Zu Beginn der Silierung wird der im Silo verbliebene Restsauerstoff von aeroben Mikroorganismen veratmet. Im begrenzten Umfang findet auch noch eine Restatmung von Pflanzenzellen statt. Ist der Restsauerstoff verbraucht, sterben aerobe Mikroorganismen und Pflanzenzellen ab. Der Zellsaft tritt aus und der Futterstock sackt dichter zusammen. In einem gut verdichteten und luftdicht zugedeckten Silo dauert diese Phase nur wenige Stunden. Mangelhafter Luftabschluss (z.B. durch zu späte Zudeckung) verlängert diese Phase, so dass der an den Sauerstoff gebundene Stoffabbau später oder gar nicht zum Stillstand kommt.

Phase 2:

Im frei gewordenen Zellsaft findet eine rasche Vermehrung von anaeroben Mikroorganismen statt. Zunächst dominieren die Enterobakterien. Auch Hefen können aktiv werden. Als Stoffwechselprodukte werden vor allem Essigsäure, Kohlendioxid und geringe Mengen an Alkohol gebildet. Mit sinkendem pH-Wert verschlechtern sich die Lebensbedingungen für die Enterobakterien und die Milchsäurebakterien können sich stark vermehren. Unter normalen Bedingungen dauert diese Phase nur 1 bis 3 Tage.

Phase 3:

Die Milchsäurebakterien haben sich maximal entwickelt und bilden große Mengen an Milchsäure. Neben Milchsäure entstehen auch noch geringe Mengen an Essigsäure und Kohlendioxid. Der pH-Wert sinkt weiter ab und säuretolerante Milchsäurebakterien dominieren. Diese Phase dauert 1 bis 2 Wochen. Sie wird auch als Phase der Hauptgärung bezeichnet.

Phase 4:

Die Milchsäuregärung klingt aufgrund des erreichten pH-Wertes oder Zuckermangels ab. Bei hohen Restzuckergehalten besteht die Möglichkeit, dass dieser durch Hefen zu Alkohol vergoren wird. Diese Phase dauert wenige Wochen oder hält bis zum Ende der Lagerungszeit der Silage an. Der infolge der Anreicherung der Milchsäure erreichte pH-Wert entscheidet über den weiteren Verlauf der Umsetzungen in der Silage. Lässt dieser unerwünschten Mikroorganismen, insbesondere den Clostridien, keine Lebensmöglichkeit mehr, gilt die Silage als anaerob stabil. Bis zur Auslagerung der Silage treten dann keine wesentlichen Stoffumsetzungen mehr ein. Den typischen Gärverlauf in einer solchen anaerob stabilen Silage zeigt die Abb. 2.1. Konnte der pH-Wert jedoch nicht ausreichend tief abgesenkt werden, z.B. weil der Zuckergehalt zu niedrig war, ist die Silage nicht lagerstabil. Die Gärung „kippt um“ und wird als labil bezeichnet. In diesem Fall schließt sich eine weitere Gärphase (Phase 5) an. Abb. 2.2 zeigt den typischen Gärverlauf einer labilen Silage.

Phase 5:

War der Zuckergehalt zu gering und die Milchsäuregärung kam deshalb zum Erliegen ist die Silage nicht lagerstabil. Clostridien bauen die bereits gebildete Milchsäure wieder ab und in der Folge steigt der pH-Wert wieder an. Eine typische Fehlgärung setzt ein, die mit hohen Verlusten an Nährstoffen und Energie verbunden ist. Im Falle von nitrathaltigem Grünfutter entstehen hohe Essigsäuregehalte und im Falle von nitratfreiem Grünfutter wird viel Buttersäure gebildet. Im weiteren Verlauf der Fehlgärung werden auch andere unerwünschte Stoffumsetzungen, z.B. Abbau des Proteins, begünstigt. Diese können in Fäulnisprozesse übergehen und zum kompletten Verderb der Silage führen.

Welcher Gärungsverlauf konkret stattfindet, hängt im Wesentlichen von der chemischen Zusammensetzung (Vergärbarkeit) und vom Besatz an Mikroorganismen ab.


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