Futterverschmutzung durch angepasstes Grundfuttermanagement vermeiden

Futterverschmutzungen durch Erde vermindern die Qualität der Silagen erheblich. Neben dem Futterwert verschlechtert sich auch die Siliereignung des Ausgangsmateriales. Außerdem ist auch ein erhöhter Verschleiß an den Maschinen zu erwarten. Überwiegend sind Grassilagen betroffen.

In der Regel wird der Grad der Verschmutzung anhand des Rohaschegehaltes bewertet. Dabei sollte aber nicht außer Acht gelassen werden, dass dieser Wert auch den Mineralstoffgehalt der Pflanzen wiederspiegelt. Je nach Pflanzenart sind das 5 – 8 % der Rohasche (absolut). In der Summe sollte die 10 % - Marke nicht überschreiten werden. Ist das jedoch der Fall, sind Verschmutzungen mit Erde die Ursache. Wird auf dem Analysebericht der Sandanteil ausgewiesen, weist ein Wert von > 2 % auf Erdverschmutzungen hin (Tab.1).


  sehr gut gutverbesserungs-bedürftig problematisch
Rohasche (% TM)< 88-1010-15>15
Sand (%TM)< 11 – 1,51,5 – 2,5 >2,5

Tabelle 1

So können die Analysewerte bewertet werden. (nach RIEL, 2009)

Auswirkungen des Futterverschmutzung auf die Siliereignung

Futterverschmutzungen verschlechtern die Siliereigenschaften, da sie einen Anstieg der Pufferkapazität des Siliergutes zur Folge haben. Unter dem Begriff der Pufferkapazität werden alle basischen, der pH-Wert Absenkung entgegenwirkenden Substanzen zusammengefasst. Steigt sie also an, muß mehr Milchsäure gebildet werden, um den gleichen Grad der Ansäuerung (pH-Wert-Absenkung) zu erreichen. Somit steigt auch das Risiko der Fehlgärung / Buttersäuregärung (Abb.). Außerdem werden mit den Bodenpartikeln auch Buttersäurebakterien (Clostridien) eingetragen, was das Risiko von Qualitätsmängeln zusätzlich erhöht. Kommt es in der Folge zu einer Buttersäuregärung, können Silierverluste von mehr als 10 % auftreten. Das wiederum bedeutet, dass die Grundfutterkosten je Tier und Tag um mindestens 2 Cent steigen. Im schlimmsten Fall ist die Silage nicht mehr verfütterbar.

Auswirkungen der Futterverschmutzung auf den Futterwert

Je stärker das Grundfutter verschmutzt ist, umso schlechter wird es gefressen. Außerdem sinkt die Energiekonzentration. Das beruht zum einen auf den Verdünnungseffekt und zum anderen auf den verlustreicheren Silierprozess (Abb.). Steigt der Rohaschegehalt in der Grassilage z.B. um 2 %, reduziert das die Energiekonzentration um 0,1 MJ NEL/kg TM. Umgerechnet auf die Milchleistung bedeutet das 3 % weniger Milch. Außerdem können landwirtschaftliche Böden bis zu 10 g Eisen/kg Boden enthalten. Eisen ist ein Antagonist von Kupfer, Zink, Mangan und Selen und kann sich somit nachteilig auf die Mineralstoffversorgung der Tiere auswirken.


OAG 2014

Sauberes Arbeiten bei der Ernte ist demzufolge eine Grundvoraussetzung für hohe Milchleistungen und trägt erheblich zur Senkung der Grundfutterkosten je kg Milch bei.

Zum Artikel: Optimierung der Grundfutterkosten (AGRAVIS aktuell 1/2013)

Ursachen von Futterverschmutzungen

Hauptursachen für hohe Rohaschegehalte im Futter sind Erdaufwerfungen durch tierische Schädlinge, Fahrspuren, Narbenlücken und ungenügend eingestellte Erntetechnik. Aber auch die Art und Weise der Siloanlage und –bewirtschaftung spielen eine nicht zu unterschätzende Rolle


Ursache: tierische Schädlinge

Kleinsäuger können – je nach Region eher Wühlmaus, Feldmaus oder Maulwurf – erhebliche Mengen Boden in den Erntehorizont einbringen (Abb.).

(ÖAG, 2011)


Eine Bekämpfung dieser Schädlinge ist oft schwer möglich und im Fall vom Maulwurf nicht erlaubt. Schleppen und Walzen können die Verschmutzungen einschränken. Bei starkem Besatz können diese Maßnahmen durchaus noch bis zu einer Wuchshöhe von 10 bis 15 Zentimetern erfolgen, um den Schädlingen möglichst wenig Zeit zwischen Einebnung und Mahd für einen Neuauswurf zu gewähren.

Durch Mäuse geschädigte Grundflächen, linkes Bild - Wühlmaus; rechtes Bild - Feldmaus



Ursache: Fahrspuren und Narbenlücken

Fahrspuren tragen auch zur Verschmutzung bei. Vor allem beim Schwaden werden dann größere Bodenbruchstücke mit ins Siliergut eingetragen.


Durch Walzen können und müssen Aufwerfungen, auch während der Vegetations-zeit, beseitigt werden. Narbenlücken sollten durch Nachsaaten mit standortangepassten Mischungen und Sorten geschlossen werden. Dichte und grasreiche Grasnarben sind Voraussetzung für schmutzarme Silagen. Lückige und krautreiche Grünlandbestände erhöhen das Risiko einer Verschmutzung.

Ursache: ungenügend eingestellte Erntetechnik

Erdverschmutzungen bei der Futterbergung sind komplett vermeidbar, jedoch können sie bei standort- und witterungsangepasster Bewirtschaftung deutlich eingeschränkt werden. So ist es beispielsweise bei der Ernte hilfreich, nicht den noch taufeuchten Bestand zu mähen, denn auf trockenem Gras bleibt Erde weniger haften. Jeder Bearbeitungsgang vom Mähen bis hin zur Futterbergung kann bei falscher Technikeinstellung den Erdeintrag weiter erhöhen. So wirken beispielsweise schnell rotierende Werkzeuge wie Staubsauger, wodurch der Boden regelrecht eingesaugt wird, was bei lückigen Narben kritisch werden kann. Besondere Bedeutung hat die Einstellung der Schnitthöhe. Je nach Aufwuchs kann ein Rasierschnitt von 3 bis 4 cm gegenüber höherem Schnitt von 7 bis 9 cm bis zu 30 Prozent mehr Rohasche im Futter bedeuten (Abb.)

Rohaschegehalt


Erfahrungen von Praktikern zeigen auch, dass bei stark lückigen Grasnarben und / oder starken Erdauswerfungen ohne Aufbereiter geerntet werden sollte. Infolge der Aufbereitung tritt der klebrige Zellsaft aus und Bodenpartikel bleiben leichter haften. Ist die Grasnarbe jedoch dicht, fördert sein Einsatz den Welkeverlauf und hat keine höheren Aschegehalte zu Folge.

Mit zunehmender Arbeitsbreite beim Mähen, Zetten (Wenden) und Schwaden muss technisch auf eine gute Bodenanpassung geachtet werden. Das bedeutet bei der Mähtechnik vor allem eine konturangepasste Steuerung der Frontmähwerke und einzelne Mähmodule, die eine Breite von 3 Metern am Stück nicht überschreiten. Kreisler und Schwader müssen so eingestellt werden, dass die Zinken überall etwa 4 cm Bodenabstand aufweisen. Aufgewirbelte Erde und Steine oder „braune“ Kreise in der Grasnarbe bei kurzzeitigem Halt zeigen deutlich auf, dass zu tief gearbeitet wird. Ein Tipp: Wenn Zinken gebrochen und ersetzt werden müssen, achten Sie auf die gleiche Länge aller Werkzeuge.

Angepasste Fahrgeschwindigkeit (Kreiseln max. 5 km/h, Schwaden max. 10 km/h) und Tasträder tragen zu einer sauberen und narbenschonenden Arbeitsweise bei. Die Flächenleistung muss demnach über die Zahl der Fahrzeuge bzw. die Arbeitsbreite und nicht über eine schnellere Fahrgeschwindigkeit erreicht werden.

Die Art der Bergetechnik (Exakthäcksler, Kurzschnittladewagen, Rund- oder Quaderballenpresse) hat keinen Einfluss auf die Futterverschmutzung, sofern die Pick-up richtig eingestellt bzw. durch Tasträder sicher geführt wird und die Grasnarbe dicht ist. Um Narbenschäden zu vermeiden, sollte eine Anpassung der Bereifung und des Reifendrucks an das Gewicht der Maschinen erfolgen, insbesondere dann, wenn großräumige Transportfahrzeuge eingesetzt werden.

Starke Futterverschmutzung infolge Falscher Einstellung der Erntetechnik


Achten Sie in diesem Jahr noch mehr auf die Art und Weise der Arbeiten auf dem Feld, insbesondere auch deshalb, da witterungsbedingt regional einige Pflegemaßnahmen im Frühjahr ausfallen mussten.

Ursache: Transport und Siloanlage

Verschmutzungen können auch während des Transportes in das Siliergut gelangen. Sind die Wege weniger gut befestigt, kann Erde bei feuchter Witterung über die Reifen oder an trockenen Tagen über Staub in das Futter gelangen. Auch die Zufahrt zum Silo sollte befestigt sein, da ansonsten über die Reifen sehr viel Erde in die Silage gelangen kann. Sind Transportwege und Zufahrt zum Silo nicht ausreichend befestigt, muß auf ein Überfahren des Futters im Silo mit den Transportfahrzeugen verzichtet und z.B. Radlader zum Hochschieben eingesetzt werden.

Ist der Bereich vor dem Silo nicht ausreichend befestigt, reicht es manchmal schon, vor dem Silo eine Folie auszubreiten.


Nach wie vor wird Silage auch in sogenannten Feldmieten eingelagert. Hier ist das Verschmutzungsrisiko ungleich höher, als in befestigten Siloanlagen. Der Rohaschegehalt kann bei einer derartigen Siloanlage schnell um ca. 2 % höher sein (Abb.), als bei klassischen Fahrsilos, völlig unabhängig von der Tatsache, dass hygienisch einwandfreie Silage aus diesen Mieten nicht geborgen werden kann. Aus Sicht der Futterverschmutzung sind unbefestigte Feldmieten deshalb nicht empfehlenswert.


Außerdem unterliegt diese Form der Lagerung klaren rechtlichen Rahmenbedingungen und ist nur zeitlich befristet erlaubt. Sie stellt somit keine Alternative zur Lagerung in befestigten Siloanlagen dar. Muss sie trotzdem erfolgen, sind entsprechende rechtliche Anforderungen zu erfüllen.

Ursache: Folienfixierung mit Erde

In einigen Betrieben wird die Silozudeckung mit Sand / Erde fixiert. Diese befindet sich überwiegend im Randbereich, aber auch auf der Folie bzw. dem Schutzgitter. Auch diese Arbeitsweise bringt ein deutlich höheres Risiko einer nachträglichen Verschmutzung der Silage mit sich. Bei der Entnahme ist es praktisch unmöglich, ein „Reinrieseln“ der Erde zu verhindern. Außerdem kommen Schädlinge (Mäuse, Ratten) sicher und geschützt an die Silage. Das Siloschutzgitter wird ebenfalls beschädigt, da durchwachsendes Unkraut und Moos das Gewebe auseinander drücken. Außerdem geht so auch der Garantieschutz für das Gitter verloren.


Die Verwendung von Sand / Erde zur Fixierung der Zudeckmaterialien ist nicht sinnvoll.


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