Geringer Epiphytenbesatz macht Milchsäurebakterienpräparate erforderlich
Aufgrund der derzeitigen Witterungsverhältnisse weisen die Grünlandaufwüchse einen geringen Epiphytenbesatz und damit wenig Milchsäurebakterien auf. Die Landwirtschaftskammer Niedersachsen, FB 3.1.5 "Grünland und Futterbau", stellt Ihnen diese Kurzinformation zum Einsatz von Milchsäurebakterien zur Verfügung.
Von entscheidender Bedeutung für den Gärprozess ist die Anzahl der natürlichen Epiphyten auf den zu silierenden Pflanzen, insbesondere der Besatz an Milchsäurebakterien. Diese sind es, die den im Erntegut vorhandenen Zucker in Milchsäure umwandeln, den pH-Wert absenken und so die Konservierung bewirken. Unter optimalen Bedingungen wie moderate Anwelkgrade, hohe Zuckergehalte, hoher Besatz mit Milchsäurebakterien etc. kann der gesamte Gärprozess rasch, effizient und ohne Buttersäuregärung ablaufen.
Die Anzahl der Milchsäurebakterien ist abhängig von Pflanzenart, Witterung, Düngung, Verschmutzung, Feldliegezeit etc. Niedrige Temperaturen können sich ebenso wie hohe UV-Einstrahlung, Trockenheit und Regen negativ auf die Milchsäurebakterien im Siliergut auswirken. Nach Prof. Pahlow, JKI Braunschweig, entwickeln sich Milchsäurebakterien erst ab durchschnittlichen Temperaturen über 10 °C.
Führte im April 2007 die hohe UV-Einstrahlung zu einem niedrigen natürlichen Besatz mit Milchsäurebakterien, so bewirken dies momentan die kühlen Nachttemperaturen. Ohne den Zusatz von Milchsäurebakterienpräparaten zum Siliergut drohen damit selbst bei sonst optimaler Ernte- und Siliertechnik Fehlgärungen mit der Folge von erhöhten Buttersäuregehalten, geringer Futterakzeptanz sowie unbefriedigender Grundfutter-Milchleistung der Kühe.
Aufgrund der geringen Kosten sowie der geschilderten hohen Risiken sollte der Zusatz von homofermentativ wirkenden Milchsäurebakterienpräparaten nicht nur in Jahren wie diesem, sondern generell als Standardmaßnahme durchgeführt werden. Kommen weitere Erschwernisse hinsichtlich der Silierbedingungen hinzu, sind entsprechend besser geeignete Siliermittel anzuraten.
Manfred Sommer, Landwirtschaftskammer Niedersachsen
07. Mai 2008